Quantas linguas maternas discurran noss uffants l’onn 2031?
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03/2011Abstract
Chasper Pult erzählt vom Erlebnis, das ihm zum Verständnis der neuen Sprachperspektiven der Globalisierung verhalf: Es war als er realisierte, dass zwei seiner SchülerInnen an der Kantonsschule in Chur mit der Mutter arabisch, mit demVater Rumantsch und im familiären Umgang Englisch sprechen. Dies war auch der Moment, als ihm die Inschrift wieder in den Sinn kam, welche Gottfried Honegger provokativ in Maloja hinterlassen hatte: „quantas linguas maternas discurran noss uffants ...“. Die Zukunft unserer Welt ist mehrsprachig, jenseits möglicher, ökonomisch oder politisch fundierter Dominanzen, die heute vomEnglischen, Morgen vom Mandarin oder vom Hindi ausgeübt werden können. Aber Gottfried Honegger hatte auch die Frage der Grenzen aufgegriffen: „nua è in cunfin?“ Denn, man kommt nicht um die Grenzen herum, um die Grenzen der eigenen Kultur, die es zu respektieren gilt, als schlichte Voraussetzung für die Wertschätzung anderer Kulturen. Dies ist für unsere mediatisierte Epoche eine Herausforderung, zusammen mit der Identitätssuche, welche zu einem ständigen Prozess werden muss.
