Warum Forschung "für" und "gemeinsam" mit wichtig ist
Don’t forget the ‘with’ and ‘for’!
DOI:
https://doi.org/10.55393/babylonia.v3i.944Schlagworte:
EditorialAbstract
In der Einleitung ihres Buches Decolonizing Methodologies erinnert Linda Tuhiwai Smith daran, dass „Forschung keine unschuldige oder distanzierte akademische Übung ist, sondern eine Tätigkeit, die mit Interessen verbunden ist und in ein Gefüge politischer und sozialer Bedingungen eingebettet ist“ (S. 5, unsere Übersetzung).
Diese Aussage spiegelt die Anliegen von Babylonia wider, die sich seit Langem mit den Auswirkungen von Forschung auf die Zivilgesellschaft auseinandersetzt. So haben wir beispielsweise in unserem Editorial anlässlich des Übergangs zu Open Access bereits die Verantwortung der Forschenden betont – nicht nur in Bezug auf ihre methodischen Vorgehensweisen, sondern auch auf die Kommunikation ihrer Ergebnisse –, ebenso wie die Rolle der Zeitschrift als Vermittlungsraum zwischen Forschung und Praxis.
Es war daher naheliegend, den Vorschlag von Audrey Bonvin und Michael Prusse anzunehmen, eine Auswahl von Beiträgen aus der von CeDiLE im September 2024 organisierten Konferenz „Von der Forschung zur Praxis und umgekehrt“ zu veröffentlichen. Mit dem Ziel über das traditionelle Format von Tagungsakten hinauszugehen, luden die Herausgeber dieses Sonderhefts die Autorinnen und Autoren ein, ihre Überlegungen zu vertiefen, indem sie die Verbindungen zwischen Forschung und Praxis ausdrücklich im Lichte der während der Konferenz angestossenen Diskussionen und Debatten reflektieren.
Die hier versammelten Beiträge untersuchen diese Beziehungen anhand einer doppelten Dynamik: einerseits aus einer „Top-down“-Perspektive, die danach fragt, wie wissenschaftliche Ergebnisse Handeln unterstützen können; andererseits aus einer „Bottom-up“-Perspektive, die die Fragestellungen, Bedürfnisse und Widerstände der beruflichen Praxis berücksichtigt. Diese Verschränkung lädt dazu ein, Forschung mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren zu denken und nicht nur über sie.
Diese Perspektive erscheint uns grundlegend. In Anlehnung an Linda Tuhiwai Smith ermutigen wir alle Forschenden, sich bei jedem Projekt zentrale Fragen zu stellen: Für wen ist diese Studie sinnvoll und relevant? Wer sagt das? Welches Wissen wird die Gemeinschaft aus dieser Studie gewinnen? Wem gegenüber ist der Forscher/die Forscherin rechenschaftspflichtig? Welche Prozesse gibt es, um die Forschung, die Forschungsgegenstände und die Forscherinnen und Forscher zu unterstützen?
Während Linda Tuhiwai Smith diese Fragen aus der Perspektive des epistemischen Rassismus behandelt – eine Perspektive, deren Bedeutung wir in keiner Weise schmälern wollen –, können sie auch unter dem Gesichtspunkt des epistemischen Elitismus betrachtet werden: Forschende sind weder die alleinigen Garanten von Wissen noch von der Relevanz der Forschungsfragen selbst. Und vergessen wir vor allem eines nie: die wissenschaftliche Gemeinschaft hat Verpflichtungen gegenüber den Gemeinschaften, die sie untersucht.
In der Hoffnung, zu diesen Überlegungen und zu den potentiell daraus resultierenden Veränderungen beizutragen, wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre.
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