Editorial
DOI:
https://doi.org/10.55393/babylonia.v2i.737Parole chiave:
PDF, 2_2017Abstract
Das Wort mit den drei ch ist Schibboleth und Sympathieträger in einem: Der Versuch von Nicht-Alemannen, es auszusprechen, löst in der Deutschschweiz allgemeine Heiterkeit aus. Das Chuchichäschtli hängt in Küchen von alten Bauernhäusern und Maiensässen, und an seinem wurmigen Holz und zwei Tablaren, die so tief sind, dass man gar nicht an die Gegenstände ganz hinten gelangt, haftet der Geruch von Ferien und Heimat. Es steht für die währschafte, von Grossmutters Rezepten inspirierte Schweizer Küche, weshalb verschiedene Restaurants das unaussprechbare Wort zu ihrem Namen gemacht haben. Andere sehen im Chuchichäschtli vielleicht eher ein Beispiel für ein etwas altertümliches Deutsch, nicht unsympathisch, aber ein Wort, das man erst mal in korrektes Deutsch übersetzen müsste, z.B. mit „ein kleiner Küchenschrank“. Geht das? Soll man das überhaupt? Der Autor Pedro Lenz, der Romane auf Schweizerdeutsch schreibt, geht in seinem Beitrag auf Seite 70 genau dieser Frage nach und wir sind beim Kern der Sache: Deutsch ist eine vielfältige Sprache, in der Schweiz und in anderen deutschsprachigen Landern und Regionen. Wem gehört die „Sprache Goethes“ nun? Wer bürgt heute für gutes Deutsch? Welches Deutsch sollen wir lehren und lernen?
