Wer ist im Bild? Das grosse Kino der Schweizer Sprachenpolitik

Autor/innen

Schlagworte:

Editorial

Abstract

Zum Zeitpunkt, in dem wir diese Zeilen schreiben, beschäftigen zwei sprachbezogene Themen die politische Bühne der Schweiz. Das erste ist uns vertraut: das Sprachengesetz, die Rolle der Fremdsprachen in der Schule, der nationale Zusammenhalt. Das Thema hat unser Umfeld stark mobilisiert. E-Mails, Vernehmlassungen, Arbeitsgruppen, Stellungnahmen, Austausch über verschiedene Kanäle: Viele von uns haben diskutiert, argumentiert und Expertisen abgegeben. Die eidgenössische Vernehmlassung endete am 5. Oktober 2026 ... Fortsetzung in der nächsten Folge.

Beim zweiten Thema geht es auch um Sprachen. Aber um Sprachen, die in der Regel nicht spontan einbezogen werden, wenn wir von „Sprachenpolitik“, „Mehrsprachigkeit“ oder gar von „Sprachendidaktik“ sprechen: die Gebärdensprachen. Im September 2026 hat der Nationalrat mit 102 zu 88 Stimmen einer Motion der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur zugestimmt, ein Rahmengesetz zu den Gebärdensprachen auszuarbeiten. Der Ständerat muss sich dazu noch äussern.

Und wir? Wie viele von uns kennen diese Initiative? Wie viele Forschende, Lehrende und Didaktiker:innen fühlten sich direkt betroffen? Das Thema ist unbequem, weil es uns zwingt, uns zu fragen, warum gewisse Geschäfte zur Sprachenpolitik so leicht in unser Blickfeld gelangen, während andere am Rande bleiben. Warum werden manche Sprachen spontan als Teil unseres Fachgebietes betrachtet, während andere – obwohl sie tatsächliche sprachliche Erfahrungen repräsentieren – ausgeschlossen bleiben?

Das führt uns zurück zu den Bildschirmen und zu denen, die wir im Sprachenunterricht verwenden. Denn die Auswahl einer Serie, eines Videos, eines Films, einer Untertitelung, einer Sprache oder einer Darstellungsweise bedeutet auch, zu bestimmen, was gezeigt und gehört wird. Wer ist im Bild, wer bleibt draussen, wer hat Anspruch auf Untertitel, wem wird eine Hauptrolle zugewiesen? Und vor allen Dingen: Wer entscheidet über das Drehbuch?

Wir wünschen gute Lektüre!

Veröffentlicht

2026-10-15

Zitationsvorschlag

Lambelet, A., & Rédaction de Babylonia. (2026). Wer ist im Bild? Das grosse Kino der Schweizer Sprachenpolitik. Babylonia Journal of Language Education, 2. Abgerufen von https://babylonia.online/index.php/babylonia/article/view/1654